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Abklatsch einer Original-Handzeichnung 

Tiepolo, Domenico (1727 - 1804) oder Giambattista Tiepolo (1696 - 1770, beide + Venedig): 

Rötel-Abklatsch auf Papier: Ohne Titel (Der hl. Jakobus von Compostella zu Pferde als Sieger über die Mauren); Wasserzeichen: 2 große, filigrane, gekreuzte Schlüssel durch eine Krone. Ca. 34 (H) x 23 cm. 

260806SC-5280 
EUR 4.000.- 


Entgegen bisheriger Beschreibung 
tendiere ich nunmehr zu der Ansicht, daß es sich bei dem mir vorliegenden Blatt um einen Abklatsch einer Rötel-Zeichnung - und nicht wie bisher beschrieben, um eine durch einen Abklatsch "geschwächte" Original-Rötel-Zeichnung - handelt. 

Entgegen meiner bisherigen Einschätzung, die weiter unten im Wortlaut wiedergegeben ist, ergeben sich aus der neuerlichen Annahme eines Abklatsches weitere Fragen, die zudem zu Spekulationen Anlaß geben:

 1. Da der Abklatsch ein Spiegelbild einer (verschollenen) Originalzeichnung sein muß, kann dieses Original - sofern es von Tiepolo stammt, wovon ich ausgehe - nicht die Nachzeichnung des von Giambattista Tiepolo gefertigten Altarbildes sein (für die spanische Botschaft in London geschaffen, heute National-Museum Budapest). 
Vielmehr ist davon auszugehen, daß dieser Abklatsch von Giambattista Tiepolo nach seiner eigenen Zeichnung gefertigt wurde und von diesem als Entwurfszeichnung für sein Altarbild diente. 
Daß auf dieser Zeichnung z. B. die Engelsköpfe als Ausschmückung noch fehlen, unterstützt die These einer Entwurfszeichnung. - Wieso dieses Altarbild allerdings seitenverkehrt zur ursprünglichen Originalzeichnung dargestellt wurde, bleibt dabei unbeantwortet. 

2. Jetzt wird auch nachvollziehbar, weshalb sein Sohn Domenico bei seiner Radierung (in seinem Radierungsverzeichnis unter der Nr. 27 als "S. Giacomo a Cavallo" aufgeführt) die zum Altarbild seitenverkehrte Ansicht darstellt und mit dem Titel (unterhalb der Radierung) versieht: "Joannes Batta Tiepolo inv. et pinx. / Ioannes Domenicus del et fecit". Denn dadurch stellt die Radierung ein korrektes Abbild der ursprünglich vorhandenen Original-Zeichnung seines Vaters dar. - 

Bei der Preisgestaltung ist zu berücksichtigen, daß ein Abklatsch in neuerer Zeit durchaus eine eigene künstlerische Bedeutung erfährt und in diesem Falle stellvertretend für das verschollene Original steht. 

Im Folgenden nun meine bisherige Beschreibung

Rötel-Zeichnung in den Höhen etwas farbschwach mit Anzeichen eines von ihr gefertigten Contre-epreuves. – Ecken tls. etwas knittrig und im oberen rechten Eck fleckig, 4 kleine Wurmlöcher unten links in der Darstellung; leichter oberer Eckbug, 2 leichte Büge längs über das Blatt. – Gutachten: Prof. George Knox, Vancouver, vom 01.12.1995 (liegt in Kopieform vor). - Knox schreibt in seinem Gutachten, daß es sich bei dieser Zeichnung um eine Nachzeichnung Domenicos nach dem kurz vor Würzburg (also vor 1750) entstandenen Gemäldes Giambattista Tiepolos in Budapest handelt. Diese Zeichnung diente lt. Knox als Vorstudie für die von Domenico geschaffene Radierung (Rizzi 1970, Nr. 128), wobei die Zeichnung vom Detail her der Radierung ähnlicher als dem Gemälde ist. - Anmerkung: Zu dieser Zeichnung finden sich in der Tiepolo-Literatur Parallelen: Die beiden Rötelzeichnungen: 'Tarquinus und Lucretia' und 'Cleopatra werden Geschenke überreicht', sind ebenfalls Zeichnungen für / oder nach Radierungen von Gemälden von Giambattistta Tiepolo. Auch diese Rötel-Zeichnungen bedienen sich des weißen Papieres, die Radierungen davon sind seitenverkehrt zu den Originalgemälden, und auch sie unterscheiden sich in einzelnen Details sowohl von Gemälde wie von der Radierung. - Die beiden Zeichnungen sind auf ca. 1750 datiert, die Urheberschaft wird in der Literatur jedoch mit 'Giambattistta oder Domenico' angegeben (Vgl. Tiepolo-Buch zur Ausstellung der Graph. Sammlung Staatsgalerie Stuttgart 1970, von George Knox und Christel Thiem bearbeitet, hier Seiten 72 u. 73). - Aufgrund dieser und anderer Unstimmigkeiten in der bisherigen kunstgeschichtlichen Einordnung der Blätter ist es m. E. nicht auszuschließen, daß es sich bei dieser Zeichnung um eine frühe Entwurfszeichnung des Giambattista Tiepolo handelt, die bisher als verschollen galt! Mangels Vergleichsmöglichkeiten könnte man den präzisen Stil dieser Zeichnung im Gegensatz zu bekannten, aber späteren Entwurfszeichnungen Giambattista Tiepolos (häufig Fresko-Entwürfe, die sich künstlerisch freier darstellen) dennoch akzeptieren: Aus der Literatur ist bekannt, daß Zeichnungen, bei denen es Giambattista auf Genauigkeit ankam, nicht immer so bestechend sind, wie man es wünschen könnte. Außerdem waren auch die Federzeichnungen Giambattistas in den 30er-Jahren sehr präzise und hatten die Funktion von Werkzeichnungen zu den Gemälden, nach 1740 dann wurde sein Federstil freier. 

 

 

Tiepolo, Domenico (1727 - 1804 Venedig)  

 

Rötel auf Papier ohne Titel 
(Der hl. Jakobus von Compostella zu Pferde als Sieger über die Mauren); 
H 34, B 23 cm; 
Wasserzeichen: 2 große, filigrane, gekreuzte Schlüssel durch eine Krone.  

 

Rötel-Zeichnung in den Höhen etwas farbschwach mit Anzeichen eines von ihr gefertigten Contre-epreuves. – Ecken tls. etwas knittrig und im oberen rechten Eck fleckig, 4 kleine Wurmlöcher unten links in der Darstellung; leichter oberer Eckbug, 2 leichte Büge längs über das Blatt. –  

Gutachten: Prof. George Knox, Vancouver, vom 01.12.1995 (liegt in Kopieform vor).

Knox schreibt in seinem Gutachten, daß es sich bei dieser Zeichnung um eine Nachzeichnung Domenicos nach dem kurz vor Würzburg (also vor 1750) entstandenen Gemäldes Giambattista Tiepolos in Budapest handelt. 
Diese Zeichnung diente lt. Knox als Vorstudie für die von Domenico geschaffene Radierung (Rizzi 1970, Nr. 128), wobei die Zeichnung vom Detail her der Radierung ähnlicher als dem Gemälde ist.

 

 



Zu dieser Zeichnung finden sich in der Tiepolo-Literatur Parallelen:
Die beiden Rötelzeichnungen: 
'Tarquinus und Lucretia' und 
'Cleopatra werden Geschenke überreicht', 
sind ebenfalls  Zeichnungen für / oder nach Radierungen von Gemälden von Giambattistta Tiepolo.
Auch diese Rötel-Zeichnungen bedienen sich des weißen Papieres, die Radierungen davon sind seitenverkehrt zu den Originalgemälden, und auch sie unterscheiden sich in einzelnen Details sowohl von Gemälde wie von der Radierung. 
Die beiden Zeichnungen sind auf ca. 1750 datiert, die Urheberschaft wird in der Literatur jedoch mit 'Giambattistta oder Domenico' angegeben (Vgl. Tiepolo-Buch zur Ausstellung der Graph. Sammlung Staatsgalerie Stuttgart 1970, von George Knox und Christel Thiem bearbeitet, hier Seiten 72 u. 73).

Aufgrund dieser und anderer Unstimmigkeiten in der bisherigen kunstgeschichtlichen Einordnung der Blätter ist es m. E. nicht auszuschließen, daß es sich bei dieser Zeichnung um eine frühe Entwurfszeichnung des Giambattista Tiepolo handelt, die bisher als verschollen galt! 

Mangels Vergleichsmöglichkeiten könnte man den präzisen Stil dieser Zeichnung im Gegensatz zu bekannten, aber späteren Entwurfszeichnungen Giambattista Tiepolos (häufig Fresko-Entwürfe, die sich künstlerisch freier darstellen) dennoch akzeptieren: 
Aus der Literatur ist bekannt, daß Zeichnungen, bei denen es Giambattista auf Genauigkeit ankam, nicht immer so bestechend sind, wie man es wünschen könnte. Außerdem waren auch die Federzeichnungen Giambattistas in den 30er-Jahren sehr präzise und hatten die Funktion von Werkzeichnungen zu den Gemälden, nach 1740 dann wurde sein Federstil freier.

Noch einige Anmerkungen zu dieser Zeichnung:  

Diese Zeichnung wurde mit einigen anderen Zeichnungen vom Vorbesitzer im Raum Freiburg im Breisgau entdeckt und erworben.  

 

Hierzu ein wichtiger Punkt, der ein neues Licht auf die Provenienz und vielleicht das Alter der Zeichnungen werfen könnte: 
Als Vater und Soehne Tiepolo in Wuerzburg waren (1750 - 1753), kam dorthin auch die Frei-Frau von Sickingen, beheimatet im Ebneter Wasserschloss (Ebnet ist Vorort von Freiburg), und muss den Tiepolos dort wohl einige Zeichnungen abgekauft haben. Das waere natuerlich eine Erklaerung, wieso die Zeichnungen gerade im Raum Freiburg gefunden wurden!
 
Der anerkannte Tiepolo-Experte Prof. Knox (U.S.A.) zoegerte keinen Moment, die Tiepolo-Urheberschaft der unterschiedlichen Zeichnungen anzuerkennen (weitere Kopie eines Gutachtens vorhanden) Auch fuer die grosse Tiepolo-Ausstellung in Udine (1996) baten die Aussteller den Vorbesitzer um Leihgaben (Kopien des Anschreibens vorhanden); Professor Knox reiste mit der Ausstellungs-Leiterin zu diesem Zweck extra nach Freiburg; zu einer Übergabe kam es jedoch bedauerlicherweise nicht.  
 
Professor Knox schreibt in seinem Gutachten, daß es sich bei dieser Zeichnung um eine Nachzeichnung Domenicos nach dem Gemälde Giambattista Tiepolos handelt. Diese Zeichnung diente lt. Knox als Vorstudie für die von Domenico geschaffene Radierung. Diese Zuordnung von Prof. Knox impliziert, daß Domenico ein Abbild des Gemäldes seines Vaters schaffen wollte, um es in Form einer Radierung vervielfältigen zu können; ein solches Vorgehen Domenicos wirft jedoch einige Fragen auf: 
 

Wenn es sich wirklich um eine Zeichnung nach dem Altarbild handelt, so muss man sich fragen:
Wieso nahm sich Domenico, der seinen Vater hoch verehrte, die künstlerische Freiheit, das Altarbild bei der Abzeichnung in wesentlichen Punkten zu verändern?

 

Und wenn er wirklich ein Abbild schaffen wollte: Wieso nimmt er es hin, daß die Radierung im Vergleich zum Original-Gemälde seitenverkehrt vervielfältigt wurde, sich somit vom Original-Gemälde fundamental unterscheidet?

Wieso fertigt er überhaupt eine Vorzeichnung fuer eine Radierung in Roetel? 

Viel eher waere hier eine Bleistiftzeichnung oder ähnliches geeignet, evtl. auch Kohle !

   

in Kürze kommt zum Verkauf 
(aus gleichem Bestand wie oben):

Rötel auf weißem Papier, vermutlich Abklatsch (- dieser sehr differenziert -) einer Rötelzeichnung, 
ca. 22,5 cm x  28 cm

ebenso Domenico Tiepolo,  (1727 - 1804) oder Giambattista Tiepolo (1696 - 1770, beide + Venedig) zugeschrieben,

ohne Titel (Kopfstudie, 4 Köpfe (und ein Kopf eines schnuppernden Hundes)),

mit Ordnungsnummer links oben in Blei "343", WZ gefiederter Wappenkörper, s.u.

    

auffallende Ähnlichkeit  des vordersten Porträts mit dem Gesicht St.Jacobs auf dem Gemälde
(Blickrichtung, Ausdruck, tiefsitzendes Ohr)!

                 

 

Preis EUR 4.200.-

 


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